Die Kinder haben’s auch nicht immer leicht mit uns

Im Gespräch mit Eltern habe ich festgestellt, dass Mutter und Vater eine (Konflikt-)Situation mit ihrem Kind nicht selten sehr unterschiedlich wahrnehmen und empfinden. Was der eine als höchst problematisch oder belastend beschreibt, ist für den anderen eine Situation, die vielleicht nicht optimal ist, aber sich schon irgendwann wieder geben wird.

Ich frage in so einer Situation gerne nach, was die Eltern eigentlich in dem Verhalten ihres Kindes sehen und das was sie beschreiben, hat sehr viel mit ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Erfahrungen als Mensch zu tun. Es gibt nicht „DIE“ Wahrheit und somit gibt es auch nicht „DIE“ Lösung.

Die eigene Geschichte mitschreiben

Wir alle war einmal Kinder und wir alle haben einen Vater oder eine Mutter und auch unsere Eltern haben Eltern. Wir alle haben unsere Geschichte. Diese bekamen wir von unseren Eltern, schreiben sie ein bisschen weiter und übergeben sie auch an unsere Kinder. Wenn wir nun einen Teil unseres Lebens gelebt haben und Kinder bekommen, kann es passieren, dass sich unsere Geschichte wiederholt. Das kann besonders mit Kapiteln unseres Lebens passieren, die wir als nicht besonders schön empfunden haben und eigentlich nie wieder hören/sehen/erleben wollten. Unsere Kinder sind für uns aber gewissermaßen wie ein Rückspiegel: Gerade wenn sie klein sind, sind wir ihnen sehr nah. Dann sind die Gefühle, die sie erleben für uns manchmal nicht leicht auszuhalten. Denn wir erleben sie bei ihnen, als würden wir in einen Spiegel schauen und noch einmal fühlen müssen, wie es uns damals ging. Und plötzlich sind wir ganz mit unseren eigenen Gefühlen beschäftigt und nicht mehr in der Lage, unser Kind bei der Entdeckung seiner Emotionen behutsam und einfühlsam zu begleiten.

Ein Vater, der als Kind nicht die Möglichkeit bekam, seine für ihn überwältigenden Frustgefühle beim Mensch-Ärgere-dich-nicht-Spiel anzunehmen, kommt beim Spiel mit seinem Sohn vielleicht genau damit wieder in Berührung, wenn er erlebt, wie sehr sein Sohn leidet. Wie wird dieser Vater also nun auf die Gefühle seines Sohnes reagieren? Bzw. müsste man eigentlich fragen, wie er mit seinen eigenen (kindlichen) Gefühlen umgehen wird…

Den eigentlichen Auslöser (er)kennen

Mitunter kann es auch vorkommen, dass die starken Gefühle unseres Kindes uns so unangenehm berühren, dass wir ärgerlich auf unser Kind reagieren. Dann ärgert uns aber eigentlich nicht, dass das Kind sich so fühlt und sich dadurch auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Vielmehr sind wir ärgerlich auf den Umstand, dass wir uns jetzt so fühlen, wie wir uns doch eigentlich nie mehr fühlen wollten. Das Kind ist also nicht die Ursache, sonder nur der Auslöser, für etwas das schon sehr viel früher da war, als das Kind.

Eine Möglichkeit mit Konflikten umzugehen, ist also zu fragen, was das Ganze mit mir macht:

  • Wie fühle ich mich damit?
  • Kenne ich das irgendwoher?
  • Spüre ich einen Widerstand, mich mit diesem Thema zu beschäftigen?
  • Was hat das mit mir zu tun?

In dem Moment, in dem ich mir Fragen dieser Art stelle, nehme ich meine Gefühle und meine Geschichte an und dadurch wieder zu mir zurück. Ich übernehme Verantwortung für mich und verhalte mich erwachsen.

 

 

 

10 Kommentare zu „Die Kinder haben’s auch nicht immer leicht mit uns

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