Was Erziehung eigentlich wirklich ist…

Ich persönlich vermeide ja den Begriff Erziehung mittlerweile gerne. Soweit das möglich ist jedenfalls, denn einfach ist das nicht immer. Mittlerweile jedoch spreche ich fast ausschließlich von Begleitung. Denn nichts anderes ist „Erziehung“. Alles, was wir tun können und eben auch müssen, ist, unsere Kinder in den ersten Jahren ihres Lebens zu begleiten. Wir müssen ihnen Dinge zeigen, und erklären, wie sie funktionieren. Vor allem aber, müssen wir ihnen helfen, ihre Persönlichkeit zu entdecken und zu entfalten und das bedeutet, sie dabei zu begleiten ihre Gefühlswelt zu entdecken.

Wir wachsen mit unseren Aufgaben

Im ersten Jahr nach der Geburt hat diese Begleitung viel mit den Grundbedürfnissen Essen, Schlafen und Körperkontakt zu tun. Diese Bedürfnisse unserer Kinder wollen und müssen gestillt sein, damit sich der kindliche Organismus gesund entwickeln kann.

Mit zunehmenden Autonomiebedürfnis verändert sich die Art der Begleitung. Die Kinder beginnen ihren Willen zu erforschen und gezielt einzusetzen. Je nach Situation löst das verschiedene Gefühle aus: Freude, wenn etwas gelingt oder z.B. Wut, wenn etwas nicht funktioniert.

Spätestens hier fängt es meiner Erfahrung nach an schwierig zu werden, denn die allermeisten von uns haben selbst nicht gelernt, mit all ihren Gefühlen angemessen umzugehen. In der Regel sind einige Gefühle in der Kindheit nicht integriert worden. Das bedeutet, ich kann meine Gefühle in der jeweiligen Situation nicht wertfrei annehmen, es ist nicht ok, wie es ist.

Früher hat man Mädchen zum Beispiel oft erzählt, dass sie nicht wütend sein dürfen und sie folglich auch nicht darin unterstützt ihre eigene Wut kennenzulernen und einen Umgang damit zu entwickeln. Jungs dagegen, bekamen häufig zu hören, dass sie sich nicht „so anstellen“ sollen, wodurch sie in der Folge nicht lernen konnten, mit Trauer oder Angst angemessen umzugehen.

Aus Überforderung entstehen negative Verhaltensweisen

Die Kinder von damals sind jetzt erwachsen. Aber sie hatten nicht die Möglichkeit ihr gesamtes Gefühlsspektrum zu erleben. Bestimmte Gefühle mussten verdrängt werden.  Verdrängung bedeutet aber nicht, dass die Gefühle weg sind. Sie sind quasi nur woanders und sie tauchen in unregelmäßigen Abständen trotzdem immer wieder auf.

Im Grunde gibt es zwei Formen, wie nicht verarbeitete Gefühle sich bemerkbar machen. Entweder durch ein „Zuviel“ oder ein „Zuwenig“.

Zuviel bedeutet, dass das Gefühl sehr häufig und/oder unkontrolliert aufkommt. Zum Beispiel, wenn man schnell wütend wird, obwohl eigentlich nichts besonders schlimmes passiert ist, oder wenn man oft traurig ist,  obwohl es einem eigentlich ganz gut geht.

Zuwenig hingegen bedeutet, dass man selbst, das Gefühl fast gar nicht mehr selbst spürt. Jedoch macht es einen wahnsinnig, wenn man es bei anderen beobachtet. Das nennt man dann „Projektion“. Man projiziert das eigene Gefühl auf andere Personen.

Beides ist sowohl für den Betroffenen als auch für Außenstehende sehr anstrengend und frustrierend. Darüber hinaus es ist aber auch quasi nicht möglich das eigene Kind in einer dieser beiden Gemütsverfassungen angemessen zu begleiten. Man wird letztendlich immer überfordert auf das Gefühl des Kindes reagieren, weil man selbst keinen Umgang damit hat.

Die Negativspirale durchbrechen

In der Folge ist es also von großer Bedeutung, sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen.

  • Welchen Umgang habe ich mit Gefühlen im Allgemeinen?
  • Welche Gefühle sind mir angenehm?
  • Habe ich ein Gefühl, das ich Zuwenig spüre?
  • Gibt es ein Gefühl, das Zuviel da ist?

Nur so, können wir uns selbst in die Lage versetzen unsere Kinder ihre Kindheit über angemessen zu begleiten und ihnen dazu verhelfen gesunde und fröhliche Erwachsene zu werden, die sich gerne an ihre Kinderjahre zurückerinnern.

3 Kommentare zu „Was Erziehung eigentlich wirklich ist…

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